Theater spiel-betrieb: „WALD“
von Miriam V. Lesch
„Ich brauch’ Tapetenwechsel“, sprach die Birke.“
Hildegard Knef
„Alles, was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.“
Charles Darwin
„Soll aber gut für die Seele sein, grün.“
Julius Caesar
Auf A.s Balkon ist über Nacht ein Baum gewachsen. Kein Setzling, keine dekorative Kübelpflanze – sondern eine durch Beton gewachsene Buche, die sich ins Geländer krallt und ihre Krone in den Stadthimmel streckt. Was wie ein absurdes Einzelereignis beginnt, erweist sich erst als der Auftakt: Unter Straßen, in Treppenhäusern, zwischen Pflastersteinen und Sehenswürdigkeiten regt sich etwas. Der Wald ist zurück – und er meint es ernst.
Während die Natur sich erschreckend konsequent ihren Raum zurückholt, suchen die Menschen nach Erklärungen. Nach ihren Straßen. Und nach jemandem, der zuständig ist. Die städtische Gärtnerei ist es jedenfalls nicht. Aber wer verhandelt stattdessen mit dem sich ausbreitenden Wald? Wer begreift als erstes, dass das Myzel längst eigene Wege geht? Und wer kennt sich besser aus im Dickicht der Dinge – Julius Caesar, der mit Plinius dem Älteren durchs Geschehen streift, oder ein rätselhaftes Reh? Bambi kennt jedenfalls das grundlegende Problem: „Für eine einzige Spezies braucht ihr viel zu viel Platz!“
In dieser Öko-Apokalypse verleiht Miriam V. Lesch dem Wald eine Stimme und skizziert damit ebenso pointiert wie poetisch den Showdown zwischen Mensch und Natur. Surreale Szenen und leise Komik verflechten sich zu einem eigenwilligen Szenario, in dem die Natur die Spielregeln neu schreibt. Leise. Und unaufhaltsam.
Miriam V. Lesch geboren 1991 in Graz, lebt und arbeitet als freischaffende Autorin und Dramaturgin in Wien. 2021 war sie mit ihrem Theaterstück »Wald« Stipendiatin der Wiener Wortstätten bei der ›Tour des Textes‹, 2022 Teilnehmerin am Heidelberger Stückemarkt. Ihr Kurzhörspiel »Was wirklich geschah« gewann beim Berliner Hörspielfestival 2021 den 1. Preis (Kategorie Kurzhörspiel). 2024 erhielt sie ein zweimonatiges Aufenthaltsstipendium am Literarischen Colloquium Berlin und das Dramatiker:innenstipendium des Landes Österreich.
Die Schauspielgruppe spiel-betrieb steht seit 15 Jahren für freies Theater auf hohem Niveau und eine besondere Stückauswahl. Ihre jährlichen Inszenierungen zeichnen sich durch die Verbindung von gewichtigen Themen, einer Menge skurrilem Humor und großer Spielfreude aus. Ein Meilenstein in der Geschichte der Theatergruppe um Alexander Braun ist der Landesamateurtheaterpreis Baden-Württemberg, mit dem der spiel-betrieb im Jahr 2021 ausgezeichnet wurde. In den vergangenen Jahren hat sich das Ensemble verstärkt zeitgenössischen Stoffen zugewandt und bringt mit jungen Autorinnen wie Ariane Koch, Svenja Viola Bungarten und Miriam V. Lesch frische Blickwinkel, neue Erzählformen und viel Experimentierfreude auf die Bühne.
Bisherige Produktionen:
2011: ISMENE von Jeremy Menekseoglu (deutschsprachige Erstaufführung)
2012: LIV STEIN von Nino Haratischwili
2013: SPRENGSÄTZE von Roland Hüve (Uraufführung)
2014: DIE GEHALTSERHÖHUNG von Georges Perec
2015: PERPLEX von Marius von Mayenburg
2016: FREIE SICHT von Marius von Mayenburg (erste Amateurinszenierung)
2017: DIE ÜBERFLÜSSIGEN von Philipp Löhle (erste Amateurinszenierung)
2018: DON QUIXOTE UND DIE HELDEN DER MANTSCHA von Christian Winkler (Deutschlandpremiere)
2019: GENANNT GOSPODIN von Philipp Löhle (ausgezeichnet mit dem Landesamateurtheaterpreis 2021)
2022: DER THERMALE WIDERSTAND von Ferdinand Schmalz
2023: WER IST WALTER von Ariane Koch (erste Amateurinszenierung)
2024: GARLAND von Svenja Viola Bungarten
2025: TOT SIND WIR NICHT von Svenja Viola Bungarten
Veranstalter |
Kultur- & Kommunikationszentrum ALTE MÜHLE, Filderstadt e.V. |
Preis |
Eintritt (Abendkasse): € 16.- / 13.- (ermäßigt) |
VVK |
Vorverkauf direkt bei uns: Karten-VVK im KULTURlokal (Preis wie AK, aber mit 4.- € Getränkebonus) oder bei Easyticket |
VVK online |
https://www.easyticket.de/veranstaltung/theater-spiel-betrieb-wald-63996/106581 |
